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@IPWagener 02.03 13:54
Zum "Flächenbrand" im Nahen Osten: Die USA und Israel sind dem #Iran militärisch haushoch überlegen. Russland und China werden die Islamische Republik notfalls fallenlassen. Teheran kann Nadelstiche setzen, die in Einzelfällen massiv und spektakulär sind - mehr aber auch nicht.
🇬🇧 Translation
On the “conflagration” in the Middle East: The USA and Israel are vastly superior militarily to #Iran. Russia and China will abandon the Islamic Republic if necessary. Tehran can set pinpricks that are massive and spectacular in individual cases - but nothing more.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-03-03 02:15:41
@IPWagener 01.03 18:37
Anton Hofreiter spricht bei Phoenix über den Angriff auf den #Iran: (1) "Im klassischen Völkerrecht ist der Angriff ganz klar völkerrechtswidrig." Falsch: Im klassischen Völkerrecht gab es das ius ad bellum. (2) Dann stellt er infrage, ob der Iran angesichts seiner Verbrechen noch "vom Völkerrecht geschützt ist". Seine Begründung: "Stichwort Responsibility to Protect". Auch hier liegt er falsch. Das Völkerrecht gilt für souveräne Staaten. Die R2P ist nicht einmal Völkergewohnheitsrecht. Wer sich als Politiker zum Völkerrecht äußert, sollte zumindest ein kleines Grundlagenbuch gelesen haben.
🇬🇧 Translation
Anton Hofreiter speaks at Phoenix about the attack on #Iran: (1) "In classical international law, the attack is clearly contrary to international law." Wrong: In classical international law there was jus ad bellum. (2) He then questions whether Iran is still "protected by international law" given its crimes. His reasoning: “Keyword Responsibility to Protect”. Here too he is wrong. International law applies to sovereign states. The R2P is not even customary international law. Anyone who comments on international law as a politician should have at least read a short basic book.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-03-02 02:13:43
@IPWagener 01.03 16:33
Pinned: Realismus to go, Folge 11: Nukleares Gleichgewicht, Machtvakuum und der Angriff auf den #Iran Staaten streben nach Nuklearwaffen, um in den Besitz der ultimativen Absicherung der eigenen Souveränität zu gelangen. Bipolarität war im Ost-West-Konflikt so stabil, weil Washington und Moskau um die militärischen Möglichkeiten der Gegenseite wussten. Entscheidend ist dabei, ob die nukleare Zweitschlagfähigkeit vorliegt. Nur wenn ein Staat einen Erstschlag absorbieren und zurückschlagen kann, wird ihm zugesprochen, über eine atomare Abschreckung zu verfügen. Dabei gibt es naturgemäß auf allen Seiten Kalkulationsunsicherheiten. Vor allem Raketenabwehrsysteme komplizieren die Lageeinschätzung. Eines steht jedoch fest: Aus der Sicht des Realismus gilt ein nukleares Gleichgewicht als stabil. Kenneth N. Waltz hatte dazu im Juli/August 2012 einen Aufsatz in der Foreign Affairs geschrieben. Im Sinne der beschriebenen Logik lautet die Überschrift des Artikels: „Why Iran Should Get the Bomb. Nuclear Balancing Would Mean Stability“. Das kann dahingehend interpretiert werden, dass iranische Nuklearwaffen ein Gegengewicht zum Potenzial Israels bilden würden. Jerusalem hat den Besitz von Atombomben zwar nie zugegeben, aber es wird allgemein davon ausgegangen, dass es eine Nuklearmacht ist. Waltz begründet seine Einschätzung mit historischen Erfahrungen und generalisiert dann: „When it comes to nuclear weapons, now as ever, more may be better.“ Der Iran hat sich in Sachen Nuklearprogramm mit Blick auf seine geopolitische Lage vollkommen rational verhalten: Israel, Russland und Pakistan besitzen Nuklearwaffen; die USA sind vor Ort; Saudi-Arabien hat ebenfalls angekündigt, unter bestimmten Bedingungen den Bau einer Atombombe anzustreben. Staaten, die Nuklearmacht werden wollen, stehen jedoch traditionell vor erheblichen Problemen. Selbst wenn sie alle materiellen und technischen Voraussetzungen geklärt haben, bleibt ihr Vorhaben nicht unbeobachtet. Je näher sie dem Besitz kommen, desto größer wird das balancing der Gegenseite. Es gibt dann ein Zeitfenster, in dem die Kriegswahrscheinlichkeit erheblich ansteigt. So war es auch in Nordkorea in den 1990er-Jahren. US-Präsident Bill Clinton hatte zwischenzeitlich ernsthaft erwogen, das Kim-Regime anzugreifen. Die Intervention dürfte vor allem wegen der „Geisellage“ Seouls ausgeblieben sein; die südkoreanische Hauptstadt befindet sich in Schlagweite der nordkoreanischen Artillerie. Der Iran befand sich vermutlich bereits 2025 in der Lage, innerhalb kurzer Zeit einen waffenfähigen Sprengsatz herzustellen. Nach einem Nukleartest wären die Karten am Persischen Golf neu gemischt worden. Das Zeitfenster war eng. Dies alles macht nachvollziehbar, warum Israel und die USA die iranischen Nuklearanlagen bombardiert haben. Die Erklärungskraft des Realismus ist hier sehr hoch. Die Theorie hat aber auch eine klare Schwäche: Sie kann natürlich nicht den Tag eines Angriffs voraussagen. Über sie lässt sich auch nicht ableiten, dass A garantiert B attackieren wird. Nur eines ist möglich: Über den Realismus lässt sich vorab darlegen, warum die Kriegswahrscheinlichkeit steigt. In diesem Fall kam ein weiterer Punkt hinzu: das Machtvakuum. Staaten können sich von ihm magisch angezogen fühlen. Nord-/Südkorea 1950, Irak/Kuwait 1990 und Russland/Ukraine 2022: Der Kriegsbeginn wurde jeweils durch die Schwäche des Gegners und die nicht vorhandene Schutzzusage einer externen Macht begünstigt – wenn nicht ausgelöst. 1950 und 1990 hatten Nordkorea bzw. der Irak amerikanische Signale dahingehend interpretiert, sich im Falle eines Krieges nicht einzumischen. Die Ukraine wiederum hatte 2022 keine NATO-Beistandszusage und war militärisch schlecht ausgerüstet. Das lässt sich gut auf den Iran übertragen. Er befindet sich weder mit Russland noch China in einem Bündnis; seit 2023/24 sind die eigenen Verbündeten entweder geschwächt (Hisbollah, Hamas, Huthis), oder sie haben das Lager gewechselt (Syrien); in militärischer Hinsicht verfügt die Islamische Republik nicht einmal über Lufthoheit auf dem eigenen Territorium. Es gibt auch keine „Geisellagen“: Die Golfstaaten können Schläge mit Drohnen, Marschflugkörpern und ballistischen Trägersystemen absorbieren, zumal die Möglichkeiten der Luftabwehr zugenommen haben. Jerusalem und Washington werden zudem die Zahl der iranischen Abschussrampen weiter reduzieren. Unter diesen Bedingungen war und ist das Risiko einer militärischen Intervention für Israel sowie die USA begrenzt. Ein paar normative Fragen sollen noch beantwortet werden: Ist es fair, dass ein Staat Atombomben haben darf, ein anderer aber nicht? Aus realistischer Sicht denken Staaten nicht in diesen Kategorien. Es ist eine reine Frage der Macht. „Gute“ bzw. „schlechte“ Atombomben gibt es nicht. Solche Zuschreibungen werden normativ vorgeschoben, um die Gegenseite in der internationalen Öffentlichkeit unter Druck zu setzen. Ein weiterer Punkt: War der Angriff völkerrechtlich gedeckt? Nein, mit Sicherheit nicht! Er wurde ja nicht vom UN-Sicherheitsrat ermächtigt. Das Selbstverteidigungsrecht ist zu weit hergeholt, weil keine unmittelbare Gefahr vorlag. Präventivschläge sind auch deshalb völkerrechtlich umstritten. Das Konstrukt der humanitären Intervention dürfte ebenfalls nicht anwendbar sein. Es gilt schlicht das Recht des Stärkeren. Wie geht es weiter? Wenn sich das Regime halten kann, wird es vorerst äußerst geschwächt sein, aber die außen- und sicherheitspolitische Ausrichtung kaum verändern. Die Konkurrenz zu Saudi-Arabien bleibt bestehen. Zu einem „Flächenbrand“ bzw. einem „brennenden“ Nahen Osten wird es nicht kommen. Hier urteilen viele Journalisten und Politiker viel zu emotional. Der Iran hat keine substanziellen Verbündeten; Russland und China werden die Islamische Republik notfalls fallenlassen; die Machtverhältnisse sind zu einseitig zugunsten Israels und der USA ausgerichtet. Geht das Regime unter, könnte es zu erheblichen Verwerfungen kommen – vor allem dann, wenn das Land auseinanderbricht oder ein Bürgerkrieg beginnt.
🇬🇧 Translation
Pinned: Realism to go, Episode 11: Nuclear equilibrium, power vacuum and attack on the #Iran States are striving for nuclear weapons to take possession of the ultimate safeguarding of their own sovereignty. Bipolarity was so stable in the East-West conflict because Washington and Moscow knew the military possibilities of the opposite side. The decisive factor is whether the nuclear secondary impact is present. Only if a state can absorb and strike back an initial strike is it promised to have an atomic deterrent. There are, of course, uncertainties about calculations on all sides. Above all, rocket defense systems complicate the position assessment. However, one thing is clear: from the point of view of realism, a nuclear equilibrium is considered stable. Kenneth N. Waltz wrote an essay in Foreign Affairs in July/August 2012. In the sense of the logic described, the title of the article is: “Why Iran Should Get the Bomb. Nuclear Balancing Would Mean Stability. This can be interpreted in that Iranian nuclear weapons would be a counterweight to the potential of Israel. Jerusalem has never admitted the possession of atomic bombs, but it is generally assumed that it is a nuclear power. Waltz explains his assessment with historical experiences and then generalizes: “When it comes to nuclear weapons, now as ever, more may be better.” Iran has acted completely rationally with regard to its geopolitical situation in terms of nuclear programme: Israel, Russia and Pakistan possess nuclear weapons; the USA is on site; Saudi Arabia has also announced that, under certain conditions, it will seek to build a nuclear bomb. However, countries that want to become nuclear power are traditionally facing considerable problems. Even if they have clarified all the material and technical requirements, their project does not remain unobserved. The closer they come to the property, the greater the balancing of the opposite side. There is then a time window in which the probability of war increases considerably. So it was also in North Korea in the 1990s. US President Bill Clinton had seriously considered attacking the Kim regime in the meantime. The intervention is likely to have remained largely due to Seoul’s ‘skill’; the South Korean capital is within the reach of the North Korean artillery. Iran was probably already in a position in 2025 to produce a weapons-capable explosive charge within a short time. After a nuclear test, the cards would have been remixed at the Persian Gulf. The time window was tight. All this makes us understand why Israel and the United States have bombarded Iran's nuclear plants. The power of realism is very high here. The theory also has a clear weakness: of course, it cannot predict the day of an attack. It can also not be derived that A is guaranteed to attack B. Only one thing is possible: Realism can be predicted why the probability of war increases. In this case, another point was added: the power vacuum. States can feel magically attracted by him. North/South Korea 1950, Iraq/Kuwait 1990 and Russia/Ukraine 2022: The beginning of the war was favored by the weakness of the opponent and the non-existent protection response of an external power – if not triggered. In 1950 and 1990, North Korea and Iraq had interpreted American signals to not interfere in the event of a war. Ukraine, in turn, had no NATO membership in 2022 and was poorly equipped with military. This can be easily transferred to Iran. It is not in an alliance with Russia or China; since 2023/24, their own allies are either weakened (Hisbollah, Hamas, Huthis), or they have changed the camp (Syria); In military terms, the Islamic Republic does not even have air sovereignty on its own territory. There are also no “Geisellagen”: The Gulf states can absorb shocks with drones, marching missiles and ballistic carrier systems, especially since the possibilities of air defense have increased. Jerusalem and Washington will also further reduce the number of Iranian launching ramps. Under these conditions, the risk of military intervention for Israel and the USA was and is limited. A few normative questions are still to be answered: is it fair that a state may have atomic bombs, but not another? From a realistic perspective, states do not think in these categories. It is a pure question of power. “Good” or “bad” atom bombs are not available. Such inscriptions are advanced by normative means to put pressure on the opposite side in the international public. Another point: Was the attack covered by international law? No, certainly not! He was not authorized by the UN Security Council. The right to self-defense is too far brought up because there was no direct danger. Preventive proposals are therefore also controversial in international law. The construction of humanitarian intervention should also not be applicable. It is simply the right of the stronger. How's it going? If the regime can hold, it will be extremely weak for the first time, but the external and security policy orientation will hardly change. The competition to Saudi Arabia remains. There will not be a “fair fire” or a “burning” Middle East. Here, many journalists and politicians judge much too emotionally. Iran has no substantial allies; Russia and China will drop the Islamic Republic if necessary; the power relations are one-sided in favour of Israel and the USA. If the regime goes down, there could be significant distortions – especially when the country breaks apart or a civil war begins.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-03-02 02:13:43
@IPWagener 01.03 12:43
COMPACT-Magazin: "Wer glaubt, die Iraner wären gespalten, sitzt westlicher Propaganda auf: Das Volk wird durch den neuen Krieg noch stärker geeint." Das ist kompletter Blödsinn.
🇬🇧 Translation
COMPACT Magazine: "Anyone who believes that the Iranians are divided is buying into Western propaganda: the people will be even more united by the new war." This is complete nonsense.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-03-02 02:13:43
@IPWagener 28.02 20:21
Ich bin kein Freund des iranischen Regimes. Meine Sympathie gilt Israel und den USA. Dies ist eine persönliche politische Präferenz. Aus wissenschaftlicher Sicht halte ich hingegen einige Vorwürfe westlicher Regierungen gegenüber Teheran für absurd. Natürlich muss der #Iran auf Angriffe militärisch reagieren. Dazu zählen auch Schläge gegen die militärischen Verbündeten der USA am Persischen Golf. Was hat man denn in Brüssel und anderswo im Kriegsfall erwartet? Vielleicht dies: „Wir bitten um Verzeihung. Seit 1979 haben wir uns in politischer und religiöser Hinsicht vollkommen geirrt.“ Oder: „Es ist in Ordnung, unsere politische Führung und die Streitkräfte anzugreifen. Wir haben es verdient!“ Noch besser: „Morgen geben wir die Macht ab. Natürlich darf dann das Volk gegen uns vorgehen. Ein paar Baukräne stehen noch.“ Die finale Demütigung: „EU und USA – macht ihr das demnächst mit der Regierung? Wir haben fertig.“ Wer das Kriegsgeschehen am Persischen Golf verstehen will, kann die meisten europäischen Stimmen getrost ausblenden. Es ist nicht mehr als das Summen eines machtpolitisch irrelevanten Bienenschwarms, der sich im Dunkeln zu orientieren versucht. Das übliche „Wir ermahnen XYZ“ oder „XYZ muss nun sofort eine andere Politik betreiben“ ist ermüdend, zumal es ohnehin nur innenpolitisch wirkt. Morgen geht es in Realismus to go weiter.
🇬🇧 Translation
I am not a friend of the Iranian regime. My sympathy goes to Israel and the USA. This is a personal political preference. From a scientific perspective, however, I believe that some of the accusations made by Western governments against Tehran are absurd. Of course, #Iran must respond militarily to attacks. This also includes strikes against the US military allies in the Persian Gulf. What did people in Brussels and elsewhere expect in the event of war? Maybe this: "We apologize. Since 1979 we have been completely wrong politically and religiously." Or: "It's okay to attack our political leadership and armed forces. We deserve it!" Even better: "Tomorrow we'll give up power. Of course the people can then take action against us. A few construction cranes are still standing." The final humiliation: "EU and USA - are you going to do that to the government soon? We're done." Anyone who wants to understand the war in the Persian Gulf can safely ignore most European voices. It is nothing more than the hum of a swarm of bees, irrelevant to power politics, trying to orientate itself in the dark. The usual “We admonish XYZ” or “XYZ must now pursue a different policy immediately” is tiring, especially since it only has a domestic political impact anyway. Tomorrow we'll continue with Realism to go.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-03-01 04:15:38
@IPWagener 28.02 14:55
Ich überlege, Sonntag den X- Kurs mit einer Folge zum Thema Realismus/Angriff auf den Iran fortzusetzen. Besteht Interesse? Haben Sie konkrete Fragen?
🇬🇧 Translation
I'm thinking about continuing the X course on Sunday with an episode on realism/attack on Iran. Are you interested? Do you have specific questions?
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-03-01 04:15:38
@IPWagener 25.02 15:26
Carsten Linnemann, kürzlich gegenüber der Welt: "Warum reden wir nicht mal darüber, den Menschen mehr Freiheit zu geben?" Ich stimme zu. Aber: Ist es nicht bedenklich, dass wir in einer Demokratie darüber reden müssen, ob den Menschen mehr Freiheiten zugestanden werden? Der Staat ist gemäß Grundgesetz dazu verpflichtet, Freiheiten abzusichern. Das ist eine seiner Kernaufgaben.
🇬🇧 Translation
Carsten Linnemann, recently facing the world: "Why don't we even talk about giving people more freedom?" I agree. But: is it not important that we must talk in a democracy about whether more freedoms are given to people? Under the Basic Law, the State is obliged to secure freedoms. This is one of his core tasks.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-27 04:21:48
@IPWagener 24.02 18:38
Die Regierung will das #Heizungsgesetz in der Robert-Habeck-Fassung kippen. Mein Glückwunsch, großartig!
🇬🇧 Translation
The government wants to overturn the #Heizungsgesetz in the Robert-Habeck-Fassung. Congratulations, great!
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-25 14:01:07
@IPWagener 24.02 17:31
Ein Bürger bezeichnet Bundeskanzler Friedrich Merz als "Pinocchio", der Staat schreitet ein. Nun hat die Staatsanwaltschaft Heilbronn festgestellt: Das Verfahren wird eingestellt, „weil es sich hierbei um eine von der Meinungsfreiheit gedeckte und damit zulässige Machtkritik handelt“. Drei Anmerkungen: (1) Ich halte diese Form der Auseinandersetzung für unangemessen. Der Tonfall im politischen Streit hat sachlich zu sein. (2) Unabhängig von meinem persönlichen Sprachstil: Politiker müssen auch harte, unsachliche Äußerungen aushalten. (3) These zur Güterabwägung: Je früher der Staat in solchen Fällen einschreitet, desto stärker nimmt das Gefühl vieler Bürger zu, nicht mehr offen die eigene Meinung sagen zu können. Das beschädigt die Demokratie. Daher sollten die Prioritäten klar sein.
🇬🇧 Translation
A citizen refers to Chancellor Friedrich Merz as "Pinocchio", the state progresses. The prosecution of Heilbronn stated: The procedure is terminated, “because this is a power criticism covered by freedom of expression and thus admissible.” Three comments: (1) I consider this form of debate to be inappropriate. The tone in political dispute has to be objective. (2) Regardless of my personal language style: politicians must also hold hard, inappropriate statements. (3) Thesis on balancing goods: The sooner the state intervenes in such cases, the more the feeling of many citizens is increasing, not to be able to say their own opinion openly. This is damaging democracy. The priorities should therefore be clear.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-25 14:01:07
@IPWagener 22.02 12:46
Realismus to go, Folge 10: Die drei Ebenen (und: Ausbruch des Zweiten Weltkrieges) Warum ist der Zweite Weltkrieg ausgebrochen? Wer diese Frage in der Schule stellt, wird eine recht klare Antwort bekommen. Aus theoretischer Sicht stellt sich die Sache etwas komplexer dar. Vorab sind die Begriffe und der gewählte Bezugspunkt zu klären: 1937 war es zum offenen Krieg zwischen China und Japan gekommen; 1939 folgte der Überfall Deutschlands auf Polen, kurz darauf marschierten auch sowjetische Truppen ein. Der europäische und der asiatische Regionalkrieg waren Schauplätze innerhalb des globalen Ringens der damaligen Mächte. Erst mit dem Angriff Japans auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 wurden die USA direkt militärisch in das Geschehen involviert. Es kam zu einer Verbindung der Fronten – nun war der Begriff „Weltkrieg“ gerechtfertigt. An dieser Stelle wird es vor allem um das Jahr 1939 gehen. Der Ausbruch eines Krieges lässt sich gemäß dem 1959 von Kenneth N. Waltz publizierten Buch „Man, the State and War. A Theoretical Analysis“ über drei Ebenen (images) erklären. Waltz fragte: „Where are the major causes of war to be found?“ Seine Antwort lautete: „within man, within the structure of the separate states, within the state system.“ Auf der ersten Ebene richtet sich der Blick auf die Rolle der Staatsmänner. Ihre Vorstellungen zur Staatsräson, persönliche Motive, Ambitionen oder Fehlwahrnehmungen sind auszuwerten; auch bestimmte Aspekte der menschlichen Natur fließen in das Verhalten ein. Auf der zweiten Ebene geht es um die gesellschaftliche Ordnung. Der Impuls für eine kriegerische Handlung kommt also aus dem Inneren des Staates. Erklärungen stellen dann auf innenpolitische Fehlentwicklungen und außenpolitische Ventilsuche ab; Nationalismus oder religiöser Fanatismus können Krisen in Bewegung setzen. Auf der dritten Ebene ergibt sich der Kriegsgrund aus der anarchischen Struktur zwischenstaatlicher Beziehungen. Prozesse der Macht- und Gegenmachtbildung laufen aus dem Ruder, und plötzlich stehen sich zwei Armeen im Feld direkt gegenüber. Wenn Deutsche über den Zweiten Weltkrieg nachdenken, fällt sofort der Name Adolf Hitler. Das ist insofern korrekt, als er die Angriffe auf die Nachbarstaaten nicht nur gewollt, sondern auch forciert hatte. Um den Ausbruch des europäischen Regionalkrieges zu erklären, gehört der „böhmische Gefreite“ ins Zentrum der Betrachtung. Es sind dann – zeitlich gestreckt – Interaktionen weiterer relevanter Staatsmänner auszuwerten, zu denen damals u.a. Neville Chamberlain, Winston Churchill, Édouard Daladier, Paul Reynaud, Josef Stalin, Edvard Beneš, Emil Hácha, Ignacy Mościcki, Benito Mussolini, Franklin D. Roosevelt, Hirohito, Fumimaro Konoe und Hideki Tōjō gehörten. Auf der zweiten Ebene wird es komplizierter. Mit Blick auf die gesellschaftliche Ausgangssituation vieler Staaten können die Folgen der Weltwirtschaftskrise genannt werden; in Deutschland wie auch in Japan spielten Nationalismus und Rassismus eine wichtige Rolle. All dies befeuerte eine aggressive Sicherheitspolitik. Im Deutschen Reich gab es zudem breite Zustimmung für eine Revision des Versailler Vertrages. Ideologien wie der Nationalsozialismus und der Kommunismus waren ebenfalls von Bedeutung. Zur Einordnung: Ich sage, wohin bei der Analyse zu schauen ist, und nehme an dieser Stelle keine präzisen Bewertungen vor. Mit Blick auf das Kursthema ist die dritte Ebene am wichtigsten. Nach dem Ersten Weltkrieg gab es in Europa Gewinner und Verlierer, die polare Konfiguration war in der Tendenz multipolar. Das machte sie konfliktanfällig. Deutschland entwickelte in dieser Lage eine revisionistische Haltung, die darauf ausgerichtet war, den Status quo zu beseitigen. Zu ihm gehörten in der Weimarer Republik Gebietsabtrennungen, schwache Streitkräfte und insgesamt eine eingeschränkte Souveränität. Großbritannien, Frankreich, Polen, die Tschechoslowakei und die Sowjetunion mussten als akute bzw. perspektivische Bedrohungen gesehen werden. Deutschland erreichte seine Ziele, indem es Verträge brach, umfassend internal balancing betrieb, Gegner in der Nachbarschaft ausschaltete, Gebiete zurückeroberte und sich ein breites geopolitisches Vorfeld zulegte. Es verlor den Krieg, weil es sich – wie so viele Staaten in einer Vormachtstellung – nicht nur imperial überdehnte. Der europäische Hegemon löste auch ein so starkes external balancing aus, dass er den Alliierten ab einem bestimmten Zeitpunkt materiell nichts mehr entgegenzusetzen hatte. Auf der ersten Ebene spielt Adolf Hitler die entscheidende Rolle; auf der zweiten Ebene wirken seine Ideen auf die Bevölkerung; auf der dritten Ebene ist er irrelevant. Wer mit dem letzten Punkt hadert, hat die Theorie nicht verstanden. Neorealisten kontern in solchen Fällen mit einer simplen Frage: „Hätte Deutschland Polen überfallen, wenn Adolf Hitler 1939 Staatspräsident von Uruguay gewesen wäre?“ Mit Blick auf die erste Ebene, in der über den Staatsmann argumentiert wird, müsste die Antwort „nein“ lauten. Aus der Sicht der dritten Ebene kann das historische Ergebnis problemlos bestätigt werden: Deutschland hätte vermutlich auch ohne Hitler versucht, die zwischenstaatliche Ordnung von 1919 durch Akte militärischer Gewalt zu verändern. Mit anderen Worten: Das Vorgehen des Deutschen Reiches lässt sich auf allen drei Ebenen gut deuten – der Fokus liegt allerdings jeweils auf unterschiedlichen Ausschnitten der Empirie. Mit den drei Ebenen von Kenneth N. Waltz lassen sich nicht nur Kriegsausbrüche erklären. Sie können auch insgesamt auf staatliches Verhalten bezogen werden. Natürlich sind alle drei Perspektiven relevant. Der Gründer des Neorealismus schrieb jedoch bereits 1959: „But where one begins his explanation of events makes a difference.“ 1979 legte er sein Standardwerk „Theory of International Politics“ vor, das die dritte Ebene ausbaut.
🇬🇧 Translation
Realism to go, Episode 10: The Three Levels (and: Outbreak of World War II) Why did World War II stop? Whoever asks this question at school will get a quite clear answer. From a theoretical point of view, the matter is somewhat more complex. The terms and the chosen reference point must be clarified in advance: in 1937 it had come to an open war between China and Japan; In 1939, Germany was attacked by Poland, followed by Soviet troops. The European and Asian regional wars were scenes within the global struggle of the powers of the time. Only with Japan's attack on Pearl Harbor on 7. In December 1941, the US was directly involved in military action. There was a connection between the fronts – the term “world war” was now justified. At this point it will mainly be about 1939. The outbreak of a war can be explained in accordance with the book “Man, the State and War. A Theoretical Analysis” published in 1959 by Kenneth N. Waltz on three levels (images). Waltz asked, “Where are the major causes of war to be found?” His answer was: “within man, within the structure of the separate states, within the state system.” At the first level, the focus is on the role of state men. to evaluate your ideas about the state council, personal motives, ambitions or misunderstandings; certain aspects of human nature also enter into behaviour. At the second level, it is about social order. The impulse for a warlike action comes from the interior of the state. explanations will then be based on incorrect developments in the field of domestic policy and the search for foreign policy valve; Nationalism or religious fanaticism can set up crises. At the third level, the reason for war is the anarchical structure of intergovernmental relations. Processes of the formation of power and counterpower are running out of the rudder, and suddenly two armies are directly opposite each other in the field. If Germans think about the Second World War, the name Adolf Hitler falls immediately. This is correct insofar as he had not only wanted the attacks on neighbouring countries, but also forced them. In order to explain the outbreak of the European regional war, the “Böhmische Gefreite” belongs to the centre of consideration. It is then – stretched in time – To evaluate the interactions of other relevant statesmen, including Neville Chamberlain, Winston Churchill, Édouard Daladier, Paul Reynaud, Josef Stalin, Edvard Beneš, Emil Hácha, Ignacy Mościcki, Benito Mussolini, Franklin D. Roosevelt, Hirohito, Fumimaro Konoe and Hideki Tōj On the second level, it becomes more complicated. With a view to the initial social situation of many states, the consequences of the global economic crisis can be mentioned; Nationalism and racism played an important role in Germany and Japan. All this fired an aggressive security policy. In the German Reich there was also broad agreement for a revision of the Versailler Treaty. Ideologies such as National Socialism and Communism were also important. For classification: I say where to look at the analysis, and do not make any precise assessments at this point. Looking at the course theme, the third level is most important. After World War I there were winners and losers in Europe, the polar configuration was in the trend multipolar. That made her conflicting. In this situation, Germany developed a revisionist attitude aimed at eliminating the status quo. It was part of the Weimar Republic's territorial separations, weak armed forces and a limited sovereignty. Great Britain, France, Poland, Czechoslovakia and the Soviet Union had to be seen as acute or perspective threats. Germany achieved its goals by breaking contracts, comprehensive internal balancing operation, turning off opponents in the neighborhood, reconquering areas and developing a broad geopolitical rampart. It lost the war because, like so many states in a predominance, it not only surpassed imperially. The European hegemon also triggered such a strong external balancing that it had nothing to do with the Allies from a certain point in time. Adolf Hitler plays the decisive role at the first level; on the second level his ideas affect the population; on the third level he is irrelevant. Whoever argues with the last point did not understand the theory. In such cases, neo-realists are confronted with a simple question: “Does Germany attack Poland if Adolf Hitler had been President of Uruguay in 1939?” Looking at the first level in which the state man is argued, the answer would have to be “no”. From the point of view of the third level, the historical result can be easily confirmed: Germany would probably have tried without Hitler to change the intergovernmental order of 1919 by military force. In other words, the action of the German Reich can be clearly interpreted on all three levels – but the focus is on different sections of the empire. With the three levels of Kenneth N. Waltz it is not only possible to explain war outbreaks. They can also be related to state behaviour as a whole. Of course, all three perspectives are relevant. The founder of neorealism wrote in 1959: “But where one begins his explanation of events makes a difference.” In 1979 he presented his standard work “Theory of International Politics” which expands the third level.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 21.02 16:21
Warum ist der Zweite Weltkrieg ausgebrochen? Mehr dazu morgen in Realismus to go - Folge 10!
🇬🇧 Translation
Why did World War II stop? More tomorrow in Realism to go - Episode 10!
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 20.02 16:34
Langanhaltender Applaus für Angela Merkel auf dem CDU-Parteitag. Das war sehr ehrlich. Es zeigt, für welche Richtung ein großer Teil der CDU steht. Ich bleibe bei meiner Einschätzung von 2021 im Kulturkampf-Buch: "Die CDU transformierte sich entsprechend und kann heute – vor 20 Jahren hätte man das als billige Polemik einordnen müssen – ohne Abstriche als Mitte-links-Partei bezeichnet werden."
🇬🇧 Translation
Long-lasting applause for Angela Merkel on the CDU party day. That was very honest. It shows which direction a large part of the CDU stands for. I remain in the Kulturkampf-Buch in my assessment of 2021: "The CDU transformed itself accordingly and today – 20 years ago it would have been necessary to classify this as cheap polemics – without smashing it as a middle-left party."
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 19.02 23:37
"Man kann alle Menschen einige Zeit täuschen und einige Menschen alle Zeit, aber man kann nicht alle Menschen alle Zeit täuschen." Deshalb sind Wahlen in einer Demokratie so wichtig - denn nicht selten verlaufen sich die Gewählten. Das Zitat wird Abraham Lincoln zugeschrieben.
🇬🇧 Translation
"You can fool all people some time and some people all the time, but you can't fool all people all the time." That is why elections in a democracy are so important - because the elected people are not seldom running. The quote is attributed to Abraham Lincoln.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 19.02 19:45
Andrew Mountbatten Windsor ist tief gefallen - nun hat die Polizei ihn sogar festgenommen. Die britische Monarchie wird das dennoch überleben. Die Gedankenspiele in den deutschen Medien mögen Klicks und Auflage erzeugen, sie sind dennoch abwegig. Der Vorteil der Krone: König Charles III. macht seine Sache gut, William und Kate sind Lieblinge der Massen. Die Briten wissen zudem: Gewählte Staatsoberhäupter machen ihre Sache nicht zwingend besser. Einige von ihnen scheitern daran, zur nationalen Identitätsstiftung beizutragen. Und auch ihre Familienmitglieder können in Skandale verwickelt sein. Können sie es dann nicht lassen, sich einseitig in die Politik einzumischen, spalten sie das Land sogar. Es ist ja gerade die angenehme Zurückhaltung des Hauses Windsor, die die Menschen mitnimmt. Mit der konstitutionellen Monarchie fahren die Briten gut.
🇬🇧 Translation
Andrew Mountbatten Windsor has fallen deep - now the police have even arrested him. The British monarchy will survive. The thought games in the German media may create clicks and editions, but they are still deviating. The advantage of the crown: King Charles III. makes his thing good, William and Kate are favorites of the masses. The British also know: Selected heads of state do not necessarily make their thing better. Some of them fail to contribute to the National Identity Foundation. And her family members can also be involved in scandals. If they can't let them interfere unilaterally in politics, they even divide the country. It is precisely the pleasant restraint of the House of Windsor that takes people with it. With the constitutional monarchy, the British go well.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 17.02 12:02
"AfD-Parteitag am NSDAP-Jubiläum: Wähler, hört die Signale!" (RND, 16.02.2026) Solche Herleitungen einer angeblichen NS-Nähe sind absurd. Von den 1920er-Jahren bis 1945 finden sich zahlreiche Daten, die belastet sind - und von denen kaum jemand etwas weiß. Es ist daher aus journalistischer Sicht vollkommen unseriös, solche Vergleiche zu ziehen. Im Text heißt es sogar: "Doch wer seinen Parteitag exakt am 100. Jahrestag des historischen Reichsparteitags in Thüringen abhält, stellt sich selbst in eine Linie mit der NSDAP." Ob die AfD ideologisch ein Abbild der NSDAP ist, muss durch die Beantwortung harter Fragen geklärt werden: Sollen Demokratie und Rechtsstaat abgeschafft werden? Ist ein Führerstaat geplant? Setzen sich Vertreter der Partei dafür ein, Gewalt zur Klärung innenpolitischer Differenzen zu rechtfertigen? Tritt die AfD dafür ein, Juden zu verfolgen? Ist ein Angriffskrieg gegen Polen geplant? Sind Fackelzüge mit dem Absingen des Horst-Wessel-Liedes nachweisbar? Wird die Zeit des Nationalsozialismus heroisiert? Leugnet die Partei den Holocaust? Wenn nicht zumindest ein Teil dieser Fragen bejaht werden kann, greift der NS-Vergleich fehl. "Bejaht" heißt: Vertreter der Partei äußern sich klar und eindeutig; auch in Programmen finden sich konkrete Formulierungen. Das NS-Abbild über Vermutungen, Unterstellungen oder Termin-Konstruktionen herstellen zu wollen, überzeugt nicht.
🇬🇧 Translation
"AfD Party Day on the NSDAP anniversary: voters, hear the signals!" (RND, 16.02.2026) Such derivations of an alleged NS sewing are absurd. From the 1920s to 1945 there are numerous data that are burdened - and hardly anyone knows anything about it. From a journalistic point of view, it is therefore completely disgusting to draw such comparisons. In the text it even says: "But whoever his party day exactly on the 100. The anniversary of the historic Reichsparteitag in Thuringia is itself in line with the NSDAP." Whether the AfD is ideologically an image of the NSDAP, must be clarified by answering hard questions: should democracy and the rule of law be abolished? Is a leader state planned? Are representatives of the party committed to justifying violence to clarify domestic political differences? Did the AfD intervene to persecute Jews? Is there a war of attack against Poland planned? Are flare trains detectable with the absing of the Horst-Wessel-Liedes? Will the time of National Socialism be heroized? Does the party deny the Holocaust? If at least some of these questions cannot be addressed, the NS comparison fails. "Assessed" means: representatives of the party express themselves clearly and unambiguously; specific formulations can also be found in programmes. To want to create the NS image about guesses, submissions or appointment designs, is not convinced.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 15.02 13:57
Realismus to go, Folge 9: Kooperation (und: Handel mit dem Feind) Staaten stehen der zwischenstaatlichen Kooperation aus einem ganz wesentlichen Grund skeptisch gegenüber: Sie vertrauen einander nicht. Oder besser formuliert: Sie können, ja dürfen einander nicht vertrauen, da es auf Zuverlässigkeit und die Einhaltung von Zusagen keine Garantie gibt. Deshalb müssen sie damit rechnen, auch von „Wertepartnern“ betrogen zu werden. Dies hängt mit dem anarchischen Zustand der Staatenwelt zusammen, in dem keine übergeordnete Regelungsinstanz existiert, die Vereinbarungen durchsetzt. Die Staatenpraxis scheint dem zu widersprechen, weil es unzählige Kooperationsmechanismen zwischen den Akteuren gibt – von bilateralen Verträgen bis zu multilateralen Institutionen. Daher bedarf es einer Präzisierung der Kernaussage: Staaten kooperieren miteinander, aber ihr Misstrauen führt zu Grenzen in den Verpflichtungskonsequenzen. Einfacher ausgedrückt: „Notfalls ignoriere ich meine Zusage. Muss ich anschließend ein schlechtes Gewissen haben? Nein! Denn Du würdest genauso handeln, wenn es in Deinem nationalen Interesse liegt.“ Kooperation ist möglich, soweit sie beiden Seiten nutzt. Dies gilt vor allem für militärische Allianzen, die üblicherweise nur dann eingegangen werden, wenn es zwischen beiden Seiten eine Interessenschnittmenge gibt. Dabei können massive äußere Bedrohungen die Bereitschaft zweier Bündnispartner zur Zusammenarbeit stärken. Aber auch in diesem Fall gilt: Allianzen sind keine Liebesheirat, sondern Zweckehen auf Zeit. Kenneth N. Waltz hat in diesem Zusammenhang den Kern einer Politik des bandwagoning gut erkannt: „They have to jump on the wagon only later to wish they could fall off.“ Die Tragik militärischer Allianzen ist, dass der schwächere Staat nie mit Sicherheit voraussagen kann, ob der stärkere Staat seine Bündniszusage einhält. Die Gretchenfrage lässt sich an zwei bekannten Beispielen demonstrieren: Würden die USA ernsthaft einen Nuklearkrieg mit Russland oder China riskieren, um Estland bzw. Taiwan zu retten? Die NATO ist das mit Abstand stärkste Militärbündnis der Welt. Washington führt ganz im Sinne des Realismus vor, wie die dominierende Macht ihre Karten innerhalb der Allianz ausspielen kann: Einzelnen Mitgliedern wird damit gedroht, die Schutzzusage zurückzuziehen, sollten sie nicht mehr Geld in die eigene Sicherheit investieren. Dänemark wird unverblümt mitgeteilt, Grönland besetzen zu wollen – da es im amerikanischen Interesse liegt. Zudem haben die USA mehrfach angekündigt, die Allianz zu verlassen, weil sie sich ausgenutzt fühlen. Dieses Verhalten passt nicht zum ideellen Verständnis der Europäer, die in dem Bündnis auch eine Wertegemeinschaft sehen. Aus realistischer Sicht war das Verhalten Washingtons zwar nicht zu erwarten, aber es lag immer im Bereich des Möglichen. Selbst Artikel 5 des NATO-Vertrages ist bei genauer Betrachtung keine Garantie für einen Beistand. De facto hat jedes Mitglied einen Ermessensspielraum zu entscheiden („such action as it deems necessary“), mit welchen Mitteln es einem angegriffenen Partnerstaat hilft. Das kann von der Truppenentsendung bis zur Beileidskarte reichen. Kooperation ist in der Praxis vor allem im wirtschaftlichen Bereich zu beobachten. Nun könnte eigentlich wie folgt argumentiert werden: Wenn beide Seiten dabei Gewinne erzielen, es also zum nationalen Nutzen beiträgt, wo soll dann aus realistischer Sicht das Problem liegen? Im Falle einer exakt gleichen Verteilung der Vorteile würde kein Nachteil entstehen. Die Herausforderung liegt in der langfristigen Wirkung der relativen Gewinne. Eine Seite wird immer etwas mehr Vorteile erzielen als die andere. Dadurch kann Staat A dazu beitragen, durch den Handel mit Staat B den eigenen Konkurrenten aufzubauen, wenn dieser systematisch relative Gewinne einfährt. Unter sehr ausgeprägten unipolaren Bedingungen fällt es Freund und Feind besonders leicht, miteinander zu kooperieren. Ist der Abstand zwischen Vormacht und Herausforderer groß genug, dann lässt sich die Lage für beide Seiten gut einschätzen. Der Hegemon kann davon ausgehen, dass der künftige peer competitor durch eine leichte Steigerung seines Anteils am globalen Bruttoinlandsprodukt vorerst nicht zur Herausforderung wird. Die aufstrebende Macht wiederum sieht, dass es noch eine Weile dauern dürfte, bis die Zeit für ein Überholmanöver gekommen ist. Unter diesen Bedingungen wird der künftige peer competitor versuchen, die eigene ökonomische Basis zu stärken. Das aktuelle amerikanische Verhalten zeigt mustergültig, wie treffsicher der Realismus sein kann. China verbucht im wirtschaftlichen Austausch mit den USA seit Jahren die relativen Gewinne auf seiner Seite, indem es große Handelsbilanzüberschüsse erzielt. Dies hat dazu beigetragen, das Fähigkeitsprofil der Volksbefreiungsarmee auszubauen. Vor allem unter Präsident Donald Trump sind daraus zwei Schlussfolgerungen gezogen worden. Der militärische Abstand soll durch eine Erhöhung der Verteidigungsausgaben wieder vergrößert werden. Zugleich wird durch die Erhebung von Zöllen versucht, die relativen Gewinne Chinas zu begrenzen. Was aus realistischer Sicht vollkommen abwegig ist: 1) die Begründung dauerhafter Freundschaften durch staatliche Kooperation; 2) die Förderung global gültiger und einklagbarer (!) Normen durch zwischenstaatliche Abmachungen; 3) die Garantie des Friedens durch die Zusammenarbeit von Staaten. Der Realismus verfügt über kein Heilsversprechen.
🇬🇧 Translation
Realism to go, Episode 9: Cooperation (and: Trading with the enemy) States are sceptical to intergovernmental cooperation for a very substantial reason: they do not trust each other. Or better formulated: you can, yes, not trust each other, as there is no guarantee of reliability and compliance with commitments. Therefore, they must expect to be deceived by “value partners”. This is related to the anarchical state of the world of states in which there is no overriding regulatory authority that enforces agreements. State practice seems to contradict this because there are countless cooperation mechanisms between the actors – from bilateral treaties to multilateral institutions. It is therefore necessary to clarify the core statement: states cooperate with each other, but their mistrust leads to limits in the commitments. Simply put: “I ignore my commitment, if necessary. Do I have to have a bad conscience? No! Because you would act as if it were in your national interest.” Cooperation is possible as far as it uses both sides. This applies, in particular, to military alliances, which are usually only dealt with when there is a cut of interest between both sides. Massive external threats can strengthen the willingness of two alliance partners to cooperate. But also in this case: alliances are not love marriages, but purposes at time. In this context, Kenneth N. Waltz has well recognized the core of a policy of bandwagoning: “They have to jump on the wagon only later to wish they could fall off.” The tragedy of military alliances is that the weaker state can never predict with certainty whether the stronger state maintains its alliance. The Gretchen question can be demonstrated by two well-known examples: Would the US seriously risk a nuclear war with Russia or China to save Estonia or Taiwan? NATO is the world's strongest military alliance by far. Washington introduces in the sense of realism how the dominant power can play its cards within the alliance: Individual members are threatened with withdrawing the guarantee, should they no longer invest money in their own security. Denmark is told unblunted to want to occupy Greenland – as it is in American interest. In addition, the US has announced several times to leave the alliance because they feel exploited. This behaviour does not fit the ideal understanding of Europeans who also see a community of values in the alliance. From a realistic point of view, the behaviour of Washington was not to be expected, but it was always in the area of the potential. Even Article 5 of the Treaty of NATO is not a guarantee of assistance when it comes to consideration. De facto, each member has a discretion to decide (“such action as it deems necessary”), by means of which means it helps an attacked partner state. This can range from the troops to the condolences card. Cooperation can be observed in practice, especially in the economic field. Now it could be argued as follows: if both sides achieve profits, so it contributes to the national benefit, where should the problem be realistic? In the case of an exactly equal distribution of the advantages, no disadvantage would arise. The challenge lies in the long-term effect of relative profits. One side will gain more and more benefits than the other. In this way, State A can help to build up its own competitors through trade with State B if it systematically takes relative gains. Under very pronounced unipolar conditions, friend and enemy are particularly easy to cooperate. If the distance between the foreman and the challenger is large enough, then the situation can be well assessed for both sides. The hegemon may assume that the future peer competitor will not be challenged by a slight increase in its share of global gross domestic product. The rising power, in turn, sees that it should take a while until the time has come for an overtaking maneuver. Under these conditions, the future peer competitor will try to strengthen its own economic base. The current American behavior shows how true realism can be. For years, China has recorded relative gains on its side in economic exchange with the US by achieving large trade balance surpluses. This has helped to expand the capacity profile of the People's Liberation Army. In particular, under President Donald Trump, two conclusions have been drawn. The military distance is to be increased again by increasing defence expenditure. At the same time, the collection of customs duties tries to limit the relative gains of China. What is completely absurd from a realistic point of view: 1) the justification for long-term friendships through state cooperation; 2) the promotion of globally valid and capable (!) standards through intergovernmental agreements; 3) the guarantee of peace through cooperation between states. Realism has no promise of salvation.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 14.02 21:01
"Zehn ukrainische Soldaten haben bei einer Nato-Übung in Estland zwei Bataillone uralt aussehen lassen. Das berichtet das „Wall Street Journal“ (WSJ). Demnach brauchten die Ukrainer nur rund einen halben Tag, um mit ihrer Drohnen-Strategie die Nato-Truppen auszuschalten – darunter 17 gepanzerte Fahrzeuge." Wenn das so tatsächlich zutrifft, sollte die NATO zügig hinzulernen. Vor allem muss uns eines klar sein: Was zehn ukrainische Soldaten können, werden auch zehn gut ausgebildete russische Soldaten hinbekommen. Aus der Sicht Wladimir Putins wäre es absolut plausibel, mehrere Kommandoeinheiten bereits jetzt in Deutschland zu installieren – getarnt als Zivilisten. Die deutschen Grenzen werden kaum kontrolliert; folglich könnten bei der Infiltration die Drohnen gleich mitgebracht werden. Bundeswehr und Zivilschutz befinden sich im Aufwuchs. Wir werden noch für geraume Zeit sehr verwundbar sein. Der Verzicht auf den Aufbau einer postmodernen Grenzanlage (Wagener 2018) erleichtert nicht nur seit Jahren die illegale Masseneinwanderung. Er hat auch dazu beigetragen, die sicherheitspolitische Lage Deutschlands zu gefährden. Was nützt uns eine Brigade in Litauen, wenn Russland hinter der Front Sabotageeinheiten installieren kann, ohne dass wir es merken? https://www.bild.de/politik/ausland-und-internationales/nato-blamage-zehn-ukrainer-besiegen-hunderte-soldaten-und-fahrzeuge-699068cb0abe5c8b74ecfa20
🇬🇧 Translation
"Ten Ukrainian soldiers have made two battalions look ancient in a Nato practice in Estonia. This is what the Wall Street Journal reports. According to this, the Ukrainians needed only about half a day to switch off the Nato troops with their drone strategy – including 17 armored vehicles." If this is true, NATO should learn quickly. Above all, one must be clear to us: what ten Ukrainian soldiers can, ten well-trained Russian soldiers will be able to do. From the perspective of Vladimir Putin, it would be absolutely plausible to install several command units already in Germany – disguised as civilians. German borders are barely controlled; Consequently, in infiltration the drones could be brought along immediately. Bundeswehr and civil protection are growing up. We'll be very vulnerable for some time. The abandonment of building a post-modern border facility (Wagener 2018) has not only facilitated illegal mass immigration for years. He also helped to endanger Germany's security situation. What does a brigade use us in Lithuania if Russia can install behind the front sabotage units without us remembering it? https://www.bild.de/politik/ausland-und-international/nato-blamage-ten-ukrainer-besiege-hunde-soldaten-und-fahrzeug-699068cb0abe5c8b74ecfa20
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 14.02 15:47
Manchmal sind die selbsternannten Retter der Demokratie ihre größten Feinde. Sie predigen eine offene Gesellschaft - also genau das, was sie selbst nicht ertragen. Harald #Martenstein hat dazu eine sehr gute Rede gehalten. Das Publikum bestätigte seine Vorwürfe, ohne es zu wollen: mit Buhrufen. Quod erat demonstrandum - nach wenigen Sekunden.
🇬🇧 Translation
Sometimes the self-appointed saviors of democracy are their greatest enemies. They preach an open society - that is exactly what they themselves do not bear. Harald #Martenstein gave a very good speech. The audience confirmed his accusations without wanting to: with chewing calls. Quod erat demonstrandum - after a few seconds.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 14.02 11:56
Vielleicht interessiert Sie mein Interview mit der Jungen Freiheit unter dem Titel "Haldenwang hat verloren". Sie finden es hier: https://martin-wagener.org/wp-content/uploads/2026/02/Wagener-JF-Interview-06.02.2026.pdf
🇬🇧 Translation
Maybe you are interested in my interview with the boy freedom under the title "Haldenwang has lost". You can find it here: https://martin-wagener.org/wp-content/uploads/2026/02/Wagener-JF-Interview-06.02.2026.pdf
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 12.02 17:17
Michaela Kuefner, DW: "Hillary Clinton kommt mit dem Zug aus Berlin zur Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) an. [...] Keine heißen Getränke wegen eines Stromausfalls im Bistro während der halben Fahrt." Ein Detail - aber eines, das auf ausländische Gäste wirkt. Made in Germany a.D.
🇬🇧 Translation
Michaela Kuefner, DW: "Hillary Clinton arrives at the Munich Security Conference (MSC) by train from Berlin. [...] No hot drinks due to a power failure in the bistro during half drive." A detail - but one that affects foreign guests. Made in Germany a.D.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 10.02 14:41
Tagesschau, 15.00 Uhr, etwas über 7 Minuten: "Gewalt in Partnerschaften", "Suchtgefahren bei Social Media", "Korruption nimmt weltweit zu", Sport, Wetter. Da ist der Zuschauer ja richtig gut informiert. Themen, die wichtiger sind, gab es nicht - sonst wäre ja sicher darüber berichtet worden.
🇬🇧 Translation
Tagesschau, 3:00 p.m., a little over 7 minutes: "Gewalt in Partnerships", "Searching at Social Media", "Korruption increases worldwide", Sports, Weather. The viewer is well informed. Topics that are more important did not exist - otherwise it would have been reported.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 09.02 11:55
Die FAZ kritisiert einen Fernsehauftritt von Tino Chrupalla bei Caren Miosga und steigt wie folgt ein: "Wie Chrupalla dann auf der Bühne erschien, machte auf einen Blick deutlich, dass die AfD, wenn überhaupt, nur das Biederste und Mittelmäßigste der von ihr angeblich so geschätzten deutschen Tradition vertritt: Mit seiner rechteckigen, halb-randlosen Brille und seinem gegelten Kurzhaarschnitt schien der AfD-Vorsitzende direkt aus den Zweitausendern zu kommen, während der mausgraue Anzug bei dunkelblauem Hemd sich von ebenso mausgrauen Beamtenanzügen nur dadurch unterschied, dass Chrupalla eine leicht überdimensionierte Deutschland-Fahne am Revers trug." Hier wird eindeutig eine Verbindung zwischen Inhalt und Optik hergestellt. Ist es nicht das, was die Qualitätsmedien bei anderen Anbietern immer wieder beklagen? Der Autor ist übrigens Jahrgang 1992. So sieht der Generationswechsel bei der FAZ aus.
🇬🇧 Translation
The FAZ criticizes a TV appearance by Tino Chrupalla at Caren Miosga and increases as follows: "As Chrupalla then appeared on stage, at a glance it made clear that the AfD, if at all, only represents the bodice and middlemost of the German tradition she allegedly so appreciated: With his rectangular, semi-edgeless glasses and his yellow short haircuts, the AfD pres A connection between content and optics is clearly established here. Isn't it what the quality media repeatedly complain to other providers? The author is also born in 1992. This is how the change of generation at the FAZ looks.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 08.02 14:03
Realismus to go, Folge 8: Irrelevanz von Terroristen und Aufständischen Staaten sind die zentralen Akteure im Realismus. Das Verhalten der Großmächte steht im Mittelpunkt dieser Theorie, weil sie in der Regel über erhebliche capabilities verfügen und mit diesen mehr Macht ausüben als schwächere Staaten. Wer über hinreichend finanzielle Mittel und Streitkräfte verfügt, der kann nach Nuklearwaffen streben, Interessensphären deklarieren und die Konkurrenz auf Abstand halten. In einer anarchischen Staatenwelt ist es durchweg attraktiv, das eigene Überleben möglichst autonom abzusichern. Der Westfälische Friede von 1648 bildet einen wichtigen – wenngleich auch symbolischen – Einschnitt in der internationalen Politik. Er beschleunigte die Herausbildung eines Systems souveräner Staaten. Sie haben bis heute die Fähigkeit, Macht innenpolitisch zu bündeln und nach außen zu projizieren. Ein Staat ist – im Gegensatz zur Staatenwelt – hierarchisch organisiert. Regeln können von oben nach unten durchgesetzt werden. Floriert die Wirtschaft, stehen Steuereinnahmen zur Verfügung, mit denen sich der ökonomische und gesellschaftliche Unterbau stärken lässt. Je erfolgreicher eine Regierung dabei ist, desto mehr Spielraum ergibt sich für die eigene Außenpolitik. Nicht alle Staaten sind von Bedeutung. Kleine Staaten können nicht genügend capabilities anhäufen; schwache und zerfallende Staaten sind dazu noch weniger in der Lage. Vom wichtigsten Akteur der Weltpolitik geht also nicht automatisch Einfluss aus. Es geht immer darum festzustellen, wer wie viel Macht in welchem geopolitischen Umfeld anhäufen kann. Einige Staaten sind machtpolitisch von Bedeutung, andere nicht. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurde der Einfluss der Staaten stark infrage gestellt. Hatte die Al Qaida nicht nachgewiesen, wie wirkungsvoll Terroristen selbst Großmächte herausfordern können? Der Blick in die Geschichte zeigte zudem, welche Macht von gut organisierten Aufständischen ausgehen kann. In Kuba übernahmen sie 1959 die Regierung, in Afghanistan vertrieben sie 1989 die sowjetischen Besatzungstruppen. Auf Sri Lanka kontrollierten sie über Jahrzehnte bis 2009 ganze Landstriche. Insofern lag ein Gedanke durchaus nahe: Im 21. Jahrhundert werden es vor allem substaatliche Akteure sein, die das internationale Konfliktgeschehen bestimmen. Diese Erwartungshaltung trifft insofern bis heute zu, als die Aktivitäten von Terroristen und Aufständischen weiterhin vor allem schwache Regierungen auf Trab halten und ihre Aufmerksamkeit maßgeblich binden. Gelingt wie beim „Islamischen Staat“ zeitweise die Metamorphose von Terroristen über Insurgenten bis zu semistaatlichen Strukturen, sind sogar raumgreifende Operationen möglich. Im Osten von Kongo-Kinshasa gibt es derzeit mit den M23-Rebellen einen Akteur, der dort nicht nur ein großes Gebiet kontrolliert. Die Gruppierung betreibt auch den Abbau von Coltan und deckt damit geschätzte 15 Prozent der globalen Produktion. Terroristen und Aufständische sind jedoch einer immanenten Schwäche ausgesetzt, die zu ihrem Akteurscharakter gehört: Sie können Macht nicht so gut bündeln – vor allem dann nicht, wenn der Druck auf sie zunimmt. Das macht sie strukturell schwach. Ein gut organisierter Staat kann solche Gruppen schnell an ihre Grenzen bringen. Um es in ein Bild zu fassen: Nach dem 11. September 2001 war nicht der amerikanische Präsident auf der Flucht, sondern Osama bin Laden. Terroristen und Aufständische spielen in der internationalen Politik eine wichtige Rolle. In der Staatenwelt sind sie jedoch weitgehend irrelevant, da sie nicht auf Machtstrukturen oder gar auf die polare Konfiguration einwirken. Es gibt lediglich eine Ausnahme, die dann vorliegt, wenn eine Regierung mit Terroristen oder Aufständischen zusammenarbeitet und diese als Instrument einsetzt. Aus realistischer Sicht bekommen in einem solchen Fall auch substaatliche Gruppen Akteursqualität. Die Kooperation der Vereinigten Arabischen Emirate mit dem Southern Transitional Council im Jemen, der gegen die von Saudi-Arabien unterstützte Regierung des Landes vorgeht, kann als Beispiel genannt werden. Eine Insurgentengruppe wird folglich im Machtwettbewerb der beiden wichtigsten Staaten der Arabischen Halbinsel instrumentalisiert. Wer sich mit dem Realismus befasst, dem hat dieses Akteursverständnis nach den Terroranschlägen von New York und Washington D.C. geholfen. Bei solchen formativen Ereignissen besteht durchaus die Gefahr, dass sich auch erfahrene Beobachter von der Dramatik des Augenblicks in der Beurteilung der Lage leiten lassen. Dabei kann das Gespür für die Maßstäbe verlorengehen, was sich dann auch in einer fehlgeleiteten Außen- und Sicherheitspolitik niederschlägt („Verteidigung der Sicherheit Deutschlands am Hindukusch“). Für Realisten war nach dem 11. September 2001 klar: Dieses Ereignis wird massive Konsequenzen für die internationale Politik haben. Langfristig werden es aber weiterhin die Interessenkonflikte der Großmächte sein, die das globale Geschehen bestimmen.
🇬🇧 Translation
Realism to go, episode 8: Irrelevance of terrorists and insurgents States are the central actors in realism. The behaviour of the great powers is at the heart of this theory, because they generally have considerable powers and exert more power with these than weaker states. Those who have sufficient financial resources and armed forces can seek nuclear weapons, declare spheres of interest and keep the competition at a distance. In an anarchic world of states it is consistently attractive to secure your own survival as autonomously as possible. The Westphalian Peace of 1648 forms an important – albeit symbolic – incision in international politics. He accelerated the development of a system of sovereign states. To this day, they have the ability to bundle power internally and project outwards. In contrast to the world of states, a state is hierarchically organized. Rules can be enforced from top to bottom. If the economy flourishes, tax revenues are available to strengthen economic and social under construction. The more successful a government is, the more scope for its own foreign policy. Not all states are important. Small states cannot accumulate enough powers; weak and devastating states are even less able to do so. The most important actor in world politics does not automatically influence. It is always a matter of determining who how much power can accumulate in what geopolitical environment. Some states are politically important, others are not. Following the terrorist attacks of 11 September 2001, the influence of the states was strongly challenged. Did the Al Qaida not demonstrate how effective terrorists themselves can challenge great powers? The view into history also showed the power of well-organized rebels. In Cuba they took over the government in 1959, and in Afghanistan they expelled the Soviet occupation forces in 1989. In Sri Lanka, they controlled entire landmarks for decades until 2009. In this respect, a thought was quite obvious: in the 21st century, it will be mainly sub-state actors who determine the international conflict. This expectation still applies to the present day, when the activities of terrorists and insurgents continue to be subject to weak governments, and their attention is crucial. As with the “Islamic State” the metamorphosis of terrorists, insurgents, to semi-state structures is sometimes possible. In the east of Congo-Kinshasa, there is currently an actor with the M23 rebels who controls not only a large area there. The group also operates the degradation of Coltan and thus covers estimated 15 percent of global production. Terrorists and insurgents, however, are exposed to immanent weakness, which is part of their actor: They cannot bundle power so well – especially when the pressure on them increases. It makes her structurally weak. A well-organized state can quickly limit such groups. To put it in a picture: after September 11, 2001, not the American president was on the run, but Osama bin Laden. Terrorists and insurgents play an important role in international politics. In the world of states, however, they are largely irrelevant because they do not affect power structures or even the polar configuration. There is only one exception that exists when a government works with terrorists or insurgents and uses them as an instrument. From a realistic point of view, in such a case, sub-state groups also receive actor quality. The cooperation of the United Arab Emirates with the Southern Transitional Council in Yemen, which goes against the government of the country supported by Saudi Arabia, can be mentioned as an example. An insurgent group is therefore instrumentalized in the power competition of the two main states of the Arabian Peninsula. Whoever deals with realism has helped this actorial understanding after the terrorist attacks of New York and Washington D.C. In such formal events there is a risk that even experienced observers can be guided by the drama of the moment in assessing the situation. The sense of the standards can be lost, which is also reflected in a misguided foreign and security policy (“defense of Germany’s security on the Hindu Kush”). For realists was after the 11th September 2001 This event will have massive consequences for international politics. In the long term, however, it will continue to be the conflicts of interest of the great powers that determine global action.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 07.02 22:57
Olympische #Winterspiele 2026, Eröffnungsfeier: Wer hat die fürchterliche deutsche Garderobe entworfen? Wie kann man das freiwillig tragen? Ohne Flagge wäre unser Team kaum zuzuordnen. Anders formuliert: In diesem Outfit mit Flagge aufzutreten, sagt auch etwas aus.
🇬🇧 Translation
Olympic #Winterspiele 2026, Opening Ceremony: Who designed the horrible German wardrobe? How can you volunteer? Without a flag, our team would hardly be assigned. In other words: to appear in this outfit with a flag, something also says.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 07.02 19:48
Katrin Göring-Eckardt auf X: "Die Ukraine braucht mehr. Mehr Luftabwehr, mehr Munition, mehr Taurus, mehr Ersatzteile, mehr Heizkraftwerke, mehr Generatoren, mehr Sanktionen gegen Russland." Die Ukraine braucht vor allem mehr Realitätssinn: Wie ist die Lage und was folgt daraus?
🇬🇧 Translation
Katrin Göring-Eckardt on X: "Ukrain needs more. More air defense, more ammunition, more Taurus, more spare parts, more power plants, more generators, more sanctions against Russia." Ukraine needs more sense of reality: what is the situation and what follows?
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 07.02 15:32
Morgen erscheint Folge 8 von "Realismus to go". Ich werde Ihnen darlegen, warum Terroristen und Aufständische irrelevant sind. Bevor nun der eine oder andere aufschreit: Bitte bedenken Sie das Oberthema des Kurses.
🇬🇧 Translation
Tomorrow episode 8 of "Realism to go" appears. I will tell you why terrorists and insurgents are irrelevant. Before the one or the other shouts: Please consider the topic of the course.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 06.02 13:02
Erstanträge auf Asyl 2025: 113.236. Von 1997 bis einschließlich 2013 lagen die Zahlen unter diesem Wert. Tiefpunkt 2007: 19.164. Der Vergleichsmaßstab ("Asylwende") darf nicht Höchstwerte zur Grundlage machen. 113.236 - das entspricht in etwa der Einwohnerzahl Triers oder Jenas.
🇬🇧 Translation
Initial applications for asylum 2025: 113.236. Between 1997 and 2013, the figures were below this figure. Low point 2007: 19.164. The comparison scale ("Asylwende") must not make maximum values the basis. 113.236 - this corresponds approximately to the number of inhabitants of Triers or Jena.
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 05.02 22:54
Friedrich Merz macht am Persischen Golf alles richtig. Kontakte knüpfen, den Handel vertiefen und innenpolitische Fragen (Menschenrechte!) hinter verschlossenen Türen diskutieren. Mögen Linkspartei und Grüne auch wettern, Diplomatie braucht nicht immer ein Megafon. Zumal Dunkelrote und Klimaristen mit nationalen Interessen noch nie viel am Hut hatten. Wer den Bundeskanzler kritisiert, sollte sich eines fragen: Was hat uns der erhobene Zeigefinger in der Amtszeit der "Ampel" international gebracht? Was ist aus der Ära von Annalena Baerbock geblieben, das für Deutschland von Nutzen ist?
🇬🇧 Translation
Friedrich Merz is doing everything right at the Persian Gulf. establish contacts, deepen trade and discuss domestic policy issues (human rights!) behind closed doors. May Left Party and Green also weather, diplomacy does not always need a megaphone. Especially since dark reds and climaters with national interests never had much to do. Anyone who criticizes the Chancellor should ask one thing: what has the finger raised brought us internationally in the term of office of the "Ampel"? What has remained from the era of Annalena Baerbock, which is useful for Germany?
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24
@IPWagener 05.02 12:46
Die #AfD bekommt als zweitstärkste Partei im Bundestag nicht den zweitgrößten #Sitzungssaal. Das hat das #Bundesverfassungsgericht entschieden. Sie SPD wird das freuen. Macht sie sich aber klar, was das bedeutet? Wann auch immer die AfD rechtlich die Möglichkeit hat, die SPD und die übrigen Parteien unfair zu behandeln, kann sie auf diesen Fall verweisen. Soll sich das als Umgangsform durchsetzen: "Wir wissen, es ist nicht fair. Aber formal ist es möglich. Und als Opposition müsst Ihr das aushalten." Wenn im Bundestag die Fairness schwindet, wie soll dann die Stärkung "unserer Demokratie" gelingen?
🇬🇧 Translation
The #AfD is the second largest party in the Bundestag. That's what the #federal Constitutional Court decided. She'll be glad to see you. Does she realize what that means? Whenever the AfD legally has the opportunity to treat the SPD and the other parties unfairly, it may refer to this case. Should this be a way of dealing: "We know it's not fair. But formal it is possible. And as an opposition you must stop it." If fairness disappears in the Bundestag, how should we succeed in strengthening our democracy?
Nitter X.com nur @IPWagener 2026-02-23 15:01:24